CardioBBEAT

Referenzstudie

CardioBBEAT vergleicht neue medizinische Behandlungsstrategien mit den aktuell bestehenden Versorgungsformen im Hinblick auf ihre gesundheitsökonomische Gesamtbilanz in der Versorgungsrealität im deutschen Gesundheitswesen.

Eine innovative Methodenentwicklung, wie es die Studie CardioBBEAT zum Ziel hat, ist ohne eine solide Datengrundlage nicht möglich. Deshalb werden die für die Studie notwendigen Patientendaten an Hand von 621 chronisch herzkranken Patienten aus den Bundesländern Berlin, Brandenburg, Nordrhein-Westfalen, Bayern und Hamburg erhoben.

Es gibt mehrere Gründe für die Wahl dieser Erkrankung: Zum einen zählen Herzerkrankungen zu den häufigsten und zum anderen zu den kostenintensivsten Leiden in Deutschland. Entsprechend den demographischen Veränderungen wird die Zahl der Betroffenen weiter zunehmen und die Relevanz für die Gesellschaft damit künftig noch mehr an Bedeutung gewinnen.

CardioBBEAT ist die erste große Studie dieser Art in Deutschland. Die Studiendauer beträgt für die teilnehmenden Patienten zwölf Monate (Datenerhebungsphase). Die ausgewählten Studienteilnehmer wurden per Zufall zu gleichen Teilen in zwei Gruppen eingeteilt.

Die eine Hälfte der Patienten erhält eine intensive medizinische Betreuung analog den Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie. Neben dem ständigen Austausch zwischen dem behandelnden Arzt und dem Studienzentrum erhalten Patienten in der Kontrollgruppe eine ärztliche Untersuchung zu Studienbeginn, nach 6 und nach 12 Monaten sowie ein Patiententagebuch.

Die übrigen Patienten werden in ihrem häuslichen Bereich zusätzlich telemedizinisch unterstützt. Dies bedeutet im Detail, dass diese Patientengruppe zu Hause über ihren Fernseher Hinweise, Informationen und Schulungen zu ihrer Erkrankung erhalten. Außerdem werden Daten zum Gesundheitszustand des Patienten (Gewicht, Blutdruck, Puls) vom Patienten täglich gemessen und an das jeweilige klinische Betreuungszentrum (Telemedizinzentrum) automatisch übermittelt. Bei auffälligen Daten, die auf eine gesundheitliche Störung hindeuten, wird vom Telemedizinzentrum der zuständige betreuende Hausarzt informiert. Weitere Informationen finden Sie hier.

Die so erhobenen prospektiven Daten werden gemeinsam mit Daten zur Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen der Patienten für die gesundheitsökonomische Analyse und die Weiterentwicklung der Methodik für gesundheitsökonomische Evaluationsverfahren herangezogen.

Projektergebnisse

Die angewandte Versorgungsstrategie verspricht im Vergleich zu einer nur leitlinienorientierten Behandlung einen zusätzlichen Nutzen in Form gleicher oder verlängerter Überlebenszeit bei längerer Zeit, die nicht in der Klinik oder im Pflegeheim verbracht wird. Die duale Ausgestaltung der Studie ermöglicht ergänzend die Gegenüberstellung der dafür insgesamt aufgewendeten finanziellen Mittel in Form entstandener Kosten und die Bewertung der Effektivität und Effizienz. Gerade zu Letzterem existieren bis dato insbesondere national, aber auch international, noch große Defizite hinsichtlich der gesundheitsökonomischen Evaluation solcher Programme.

Die aktive Studienteilnahme und Einhaltung des vorgesehenen Versorgungsplans wird in beiden Versorgungsgruppen ausgewertet. Dies erfolgt durch den Abgleich der im Patiententagebuch eingetragenen Werte mit den Empfehlungen des Versorgungsplans. Bei Patienten im Telemonitoring-Versorgungsarm wird dies ergänzt durch die Kontrolle der Übermittlung der gemessenen Werte. Unterbleibt diese, erfolgt eine Kontaktaufnahme durch die zuständige Klinik, wobei deren Ursachen erfragt und entsprechende Maßnahmen ergriffen werden. Damit führt aus Patientensicht die Nichteinhaltung des vorgesehenen Versorgungsplans im Telemonitoring-Versorgungsarm zu einem systembedingten Feedback, während dies in der Vergleichsgruppe unterbleibt.

Aufbauend auf der anerkannten Bedeutung des klinischen Nutzens des telemedizinisch gestützten Monitorings von Patienten mit Herzerkrankungen können durch die Überprüfung der Effektivität und Wirtschaftlichkeit optimierte Therapiekonzepte erkannt und eine Fehlallokation von Ressourcen vermieden werden. Subgruppen- und Sensitivitätsanalysen ermöglichen die Identifikation besonders profitierender Patientengruppen sowie die Bewertung verschiedener Aspekte der Betreuung. Die Betrachtung in quartalsweisen Intervallen von 90 Tagen gibt Aufschluss über den zeitlichen Nutzen- und Kostenverlauf. Die genannten Gesichtspunkte ermöglichen die Ermittlung systemspezifischer Auswirkungen auf das deutsche Gesundheitswesen. Vor diesem Hintergrund werden die Datenbasis für Entscheidungen von Politik und Krankenkassen erweitert und transsektorale Kooperationen unterstützt. Dies fördert die Absicherung und Verbesserung der Qualität der ärztlichen Versorgung durch Generierung und Verknüpfung von Informationen und Prozessen. Letztlich beabsichtigt ist eine Effizienz- und Effektivitätserhöhung des deutschen Gesundheitssystems sowie die Entwicklung einer spezifischen Methodik für die gesundheitsökonomische Bewertung telemedizinischer Technologien.

Mit den konkreten Ergebnissen ist im Jahr 2015 zu rechnen.

Institut für Medizinmangement und Gesundheitswissenschaften der Universität Bayreuth -